12 Fitnessmythen und was wirklich dahintersteckt
Wer sie in die Welt gesetzt hat, lässt sich meist nicht mehr ermitteln. Aber wie in vielen anderen Bereichen, gibt es auch viele Fitnessmythen. Sie haben sich so im Bewusstsein festgesetzt, dass sie als Wahrheit durchgehen. Höchste Zeit also mal ein paar Fitnessmythen unter die Lupe zu nehmen.

Die Sache mit Popeye und dem Spinat
Zu den bekanntesten Mythen überhaupt, gehört der hohe Eisengehalt im Spinat. Popeye soll dem Gemüse seine enorme Kraft verdanken. Mit dem Eisen im Spinat hat das aber nichts zu tun, denn der ist ziemlich gering. Eine 1890 falsch durchgeführte Studie ist schuld. Es gibt noch weitere Fitnessmythen. Hier 12 weit verbreitete Fitnessmythen und was wirklich dahintersteckt:
1. Wer abnehmen will, sollte Ausdauersport machen
Noch heute einer der häufigsten Tipps, wenn jemand nach einer guten Abnehmmethode fragt: Laufen, Schwimmen oder Radfahren im moderaten Tempo. Aerobes Training ist zwar definitiv gesund, aber zum Abnehmen eher nicht so gut geeignet. Der Körper gewöhnt sich schnell an die relativ geringe Intensität und verbrennt dann immer weniger Kalorien. Hinzu kommt, dass durch moderates Ausdauertraining auch wertvolles Muskelgewebe verloren geht. Viel effektiver ist Krafttraining. Was aber nicht heißt, dass Ausdauertraining nicht sinnvoll ist. Wer regelmäßig seine aerobe Ausdauer trainiert, tut seinem Körper unendlich viel Gutes. Ideal ist die Kombi aus Ausdauer- und Krafttraining und einer ausgewogenen Ernährung sowie dem weitestgehenden Verzicht auf Zucker, Weißmehl und hochverarbeitete Produkte.

2. Wer schnell schwitzt, ist weniger fit
Stimmt so nicht. Denn schnelles und starkes Schwitzen kann bei trainierten Sportlern ein Hinweis auf eine gut funktionierende Thermoregulation sein, weil der Körper Wärme effizienter abführt und bei Belastung oft früher mit dem Schwitzen beginnt, um die Kerntemperatur stabil zu halten. Insbesondere gut ausdauertrainierte und hitzeakklimatisierte Athleten zeigen genau diese Anpassung. Wichtig aber in diesem Zusammenhang: Wie stark jemand schwitzt, hängt auch von Genetik, Körpergröße, Muskelmasse, Trainingsintensität, Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit, Kleidung und Hitzegewöhnung ab. Manche sehr fitte Menschen schwitzen relativ moderat, andere schon bei geringerer Belastung sehr stark. Deshalb gilt: Nicht die Schweißmenge allein ist der Fitnessbeweis, sondern eher, ob der Körper unter Belastung die Temperatur gut regulieren und die Leistung stabil halten kann. Sehr starkes Schwitzen kann also zu guter Fitness passen, ist für sich genommen aber kein verlässlicher Fitnessmarker.
3. Sex beeinflusst die Leistungsfähigkeit
1968 lief der US-Amerikaner Jim Hines bei den Olympischen Spielen in Mexiko als erster Mensch unter 10 Sekunden und damit Weltrekord. Später gab er in einem Interview zum Besten, dass er kurz vor dem Rennen noch Sex hatte. Das erst hätte ihn wirklich locker gemacht. Erstaunlicherweise gibt es zu diesem Thema keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Vermutlich kommt es ganz auf die nachfolgende Belastung an. Sex reduziert die Grundspannung, was sich möglicherweise negativ auf schnellkräftige Belastungen auswirkt. Wer weiß, wie schnell Jim Hines bei Enthaltsamkeit gewesen wäre.
4. Mit Sport bekämpfe ich meine Cellulite
Von allen Fitnessmythen wohl jene, die am weitesten verbreitet ist. Doch so viele tolle Effekte regelmäßige Fitnessprogramme auch haben, bei Cellulite sind sie wirkungslos. Ebenso übrigens wie manch absurd teure Kosmetika. Bei Cellulite spielen genetische und hormonelle Faktoren die Hauptrolle und hier kann auch das beste Sportprogramm nichts ausrichten. Allerdings: Krafttraining kann die Muskeln unterhalb des ungeliebten Bindegewebes stärken und so die Haut ein wenig straffen helfen. Das ist dann auch zu sehen.
5. Nüchternsport verbrennt schneller Fett
Die Theorie dahinter: Wenn nichts in deinem Magen ist, zwingt das den Körper Fett zur Energiegewinnung zu nutzen. Die Realität sieht leider anders aus: Der Körper holt sich nur mehr Energie aus dem Muskel. Und das kann bei intensiven Trainingseinheiten zu Dehydrierung, Hyperglykämie und Benommenheit führen. Möglicherweise verlangsamt sich auch der Stoffwechsel. Entscheidend für Fettabbau bleibt vor allem die Energiebilanz über den Tag und über Wochen, nicht ob das Training vor dem Frühstück stattfindet. Übersichtsarbeiten und sportwissenschaftliche Einordnungen zeigen deshalb: Für die langfristige Körperfettreduktion hat nüchternes Training gegenüber trainiertem Zustand nach dem Essen keinen klaren Vorteil, wenn Kalorienzufuhr und Training insgesamt vergleichbar sind. Für manche kann nüchternes Ausdauertraining dennoch praktikabel sein, etwa bei lockeren Einheiten am Morgen; bei intensiven Belastungen oder Krafttraining leiden jedoch oft Leistung, Trainingsqualität oder Wohlbefinden.

6. Fast-Food lässt sich mit einer Extraeinheit verbrennen
Für das schlechte Gewissen sicher eine tolle Sache. Aber auch das funktioniert nicht so wie gewünscht. Kalorien sind nicht austauschbar. Die Art der Kalorien bestimmt nun einmal, ob der Körper Fett speichert oder verbrennt. Und fettreiches Fast-Food speichert der Körper besonders gerne. Auch wenn du anschließend Sport treibst. Hin und wieder ist Fast-Food mal okay. Aber wem gute Fitness wichtig ist und wer auch auf sein Gewicht achten möchte, sollte lieber gehaltvollere und gesündere Lebensmittel essen.
7. Bauchfett kann man gezielt wegtrainieren.
Der Traum vom flachen Bauch durch endlose Crunches hält sich hartnäckig. Tatsächlich lässt sich Fett aber nicht punktgenau an einer bestimmten Körperstelle „wegtrainieren“. Wer Bauchübungen macht, stärkt vor allem die Muskulatur darunter. Ob das Fettpolster schmilzt, entscheidet der Körper jedoch nicht lokal, sondern über den gesamten Energiestoffwechsel. Bauchtraining ist überaus sinnvoll, aber keine Direktwaffe gegen Bauchfett.
8. Mit Asthma solltest Du nicht so hart trainieren
Auch das ist ein Mythos. Um Asthmasymptome zu lindern, kann es in Absprache mit dem Arzt sogar ratsam sein, besonders intensiv zu trainieren. Eine dänische Studie im Auftrag der European Lung Foundation fand heraus, dass ein hochintensives Training die Lebensqualität von Asthmapatienten verbessern kann. Wer Asthmatiker ist, sollte das aber vorab mit seinem Arzt besprechen. Aktuelle Leitlinien und Fachorganisationen betonen, dass Menschen mit Asthma grundsätzlich körperlich aktiv sein sollen und auch intensiver trainieren können, wenn das Asthma gut eingestellt ist. Entscheidend ist also nicht das Asthma an sich, sondern die Kontrolle der Erkrankung. Gut behandeltes Asthma und eine entzündungshemmende Therapie können Beschwerden, schwere Anfälle und auch belastungsinduzierte Bronchokonstriktion deutlich reduzieren. Gleichzeitig gilt: Wer unter Belastung Husten, Engegefühl, Pfeifen oder Luftnot bekommt, sollte das nicht ignorieren, sondern die Therapie überprüfen lassen; zusätzlich helfen oft ein gezieltes Aufwärmen und gegebenenfalls eine ärztlich empfohlene Medikation vor dem Training.
9. Schmerzmittel verhindern steife Muskeln
Erschreckenderweise glauben das wohl viele Sportler. Mehr dazu hier. Doch es stimmt einfach nicht. Die Einnahme kann höchstens dazu führen, dass du nicht spürst, wie sehr du deine Muskeln überlastest. Denn Schmerzmittel behandeln vor allem das Schmerzempfinden, nicht die eigentliche Ursache der Belastungsreaktion. Hinzu kommen viele Nebenwirkungen: Sie könnten die Nieren übermäßig belasten, vor allem wenn du dehydriert bist. Sie schädigen den Magen und den Darm und können so eine Entzündungsreaktion im ganzen Körper auslösen. Sogar lebensgefährliche Magen-Darm-Blutungen sind möglich. Für normale Trainingssteifigkeit oder Muskelkater sind meist leichtere Maßnahmen sinnvoller, etwa lockere Bewegung, etwas Geduld und eine angepasste Belastung.

10. Im Alter ist Ausdauertraining am besten
Natürlich sind Ausdauertraining und Kardiofitness sehr gut – und zwar in jedem Alter. Doch auch wenn du schon über 50, 60, 70 oder 80 Jahre alt bist, solltest du unbedingt regelmäßig Krafttraining machen. Denn nur so kannst du effektiv deine Muskelmasse erhalten und die Knochen stärken. Mehr Muskel helfen auch das Risiko eines Sturzes und eines Knochenbruchs zu verringern. Krafttraining ist zudem bestens geeignet, die geistige Fitness zu erhalten, und zwar besser als das Ausdauertraining kann.
11. Radfahren schadet der Potenz
Entwarnung, liebe Männer. Dem ist glücklicherweise nicht so. Eine 2014 veröffentlichte Studie mit 5300 Männern hat gezeigt, dass selbst sehr langes Radfahren keinen Einfluss auf die Potenz hat. Allerdings, das sei einschränkend gesagt, kann die Potenz bei falsch eingestelltem Sattel kurzfristig leiden. Der Grund: Je nachdem, wie der Sattel eingestellt ist, drückt beim Radfahren bis zu zwei Dritteln des Körpergewichts auf den Sattel. Dabei werden die auch für die Potenz wichtigen Adern und Nerven eingedrückt. Die Durchblutung nimmt um 70 Prozent ab. Schon wer die Sattelneigung ein wenig verstellt, kann dies aber verhindern.

12. Durch Schwitzen kannst du Giftstoffe loswerden
Stimmt ebenfalls nicht. Egal ob durch Saunagänge oder intensives Training. Der Körper verliert über den Schweiß zwar kleinste Mengen bestimmter Stoffe, aber Schwitzen ist nicht die eigentliche „Entgiftung“ des Körpers. Die Hauptaufgabe des Schweißes ist die Kühlung durch Verdunstung, damit die Körpertemperatur nicht zu stark ansteigt. Medizinische Fachquellen betonen, dass die eigentliche Entgiftung vor allem über Leber und Nieren läuft, die Abbauprodukte und Schadstoffe aus dem Blut filtern und über Urin beziehungsweise den Stoffwechsel ausscheiden. Schweiß besteht überwiegend aus Wasser und Elektrolyten; die Menge an tatsächlich ausgeschiedenen potenziell schädlichen Stoffen ist dagegen sehr gering. Deshalb ist die Aussage, man könne durch starkes Schwitzen den Körper nennenswert „von Giftstoffen befreien“, ein Mythos. Viel Schwitzen kann sogar problematisch werden, wenn dadurch zu viel Flüssigkeit und Elektrolyte verloren gehen.

