Was die tiefe Core-Muskulatur so wichtig macht

Selbst bei einem beeindruckenden Sixpack ist sie nicht zu sehen. Denn die Core-Muskulatur liegt unterhalb der oberflächlich sichtbaren Bauchmuskulatur. Sie ist enorm wichtig, denn sie ist bei fast jeder Bewegung unseres Körpers beteiligt.

Training für die tiefe Core-Muskulatur
Plank-Varianten sind bestens geeignet, die tiefe Core-Muskulatur zu trainieren

Was ist die tiefe Core-Muskulatur?

Die tiefen Core-Muskeln helfen, die Wirbelsäule und das Becken zu stabilisieren, den Druck im Bauchraum zu regulieren und Bewegungen zwischen Ober- und Unterkörper zu kontrollieren. Auch an der Atmung sind sie maßgeblich beteiligt. Wichtig aber in diesem Zusammenhang: Der Begriff tiefe Core-Muskulatur, oft auch „Deep Core“ genannt, ist keine streng definierte anatomische Einheit. In der Trainingslehre und Physiotherapie verwendet man ein vereinfachtes Zylinder-Modell. Dabei bilden vier Strukturen gemeinsam ein stabilisierendes System rund um Bauchraum, Becken und Lendenwirbelsäule.

MuskelWichtigste Aufgaben
Musculus transversus abdominisDer Muskel umschließt den Bauchraum wie einen Gürtel, stabilisiert Rumpf- und Lendenwirbelsäule. Er erhöht den intraabdominellen Druck beim Heben schwerer Lasten und schützt so den unteren Rücken. Er zieht die Bauchdecke nach innen und hält die inneren Organe an Ort und Stelle, hilft bei der Ausatmung und ist an der Bauchpresse (u.a. beim Stuhlgang) beteiligt.
Multifidus-MuskulaturSie verbindet die einzelnen Wirbelkörper und Dornfortsätze direkt miteinander. Dadurch sichert sie die Wirbelsäule gegen Druck-, Scherkräfte und unerwünschte Eigenbewegungen der Wirbelgelenke ab. Dabei arbeitet sie wie ein Steuerungs- und Sicherungssystem. Noch bevor größere Bewegungen (z. B. das Anheben eines Arms oder einer Kiste) ausgeführt werden, spannt sich der Multifidus gemeinsam mit der tiefen Bauchmuskulatur an, um den Rumpf zu schützen.
ZwerchfellKuppelförmige Muskel-Sehnen-Platte, die den Rumpf in Brust- und Bauchhöhle trennt. Sie ist der wichtigste Atemmuskel (Einatmung). In Ruhe leistet es etwa 30 bis 50 % der Atemarbeit.
BeckenbodenmskulaturBildet den unteren Abschluss des Rumpfes, trägt und sichert die inneren Bauch- und Beckenorgane (wie Blase, Darm und bei Frauen die Gebärmutter) und wirkt wie eine elastische Hängematte.
Sie umschließt Harnröhre, Scheide und After und hält diese dicht. Im engen Zusammenspiel mit dem Zwerchfell, der Bauch- und Rückenmuskulatur stützt sie die Wirbelsäule und sorgt für eine aufrechte Körperhaltung.

Wichtig zu wissen: Auch die schrägen und geraden Bauchmuskeln, Rückenstrecker, Quadratus lumborum sowie Muskeln von Hüfte und Becken tragen zur Rumpfstabilität bei.

Was macht die tiefe Core-Muskulatur?

Einige Aufgaben stehen bereits in der Tabelle, aber die Core-Muskeln können noch viel mehr: Sie helfen dabei, Bewegungen zu kontrollieren und unerwünschte Bewegungen zu begrenzen. Dazu ein Beispiel: Wenn du eine schwere Einkaufstasche mit nur einer Hand trägst, möchte die Schwerkraft deinen Oberkörper zur Seite ziehen. Deine Rumpfmuskulatur erzeugt dagegen Spannung und so kannst du aufrecht bleiben.

Ähnlich ist es beim Laufen. Beine und Arme bewegen sich kräftig, während der Rumpf die entstehenden Rotations- und Scherkräfte kontrollieren muss. Oder beim Kreuzheben: Die Beine und die Hüftmuskulatur erzeugen einen großen Teil der Bewegung, während die Rumpfmuskulatur dafür sorgt, dass die Belastung kontrolliert übertragen werden kann.

Genau darin liegt eine zentrale Aufgabe des Core: Kraft zwischen Ober- und Unterkörper übertragen und gleichzeitig für Stabilität sorgen. Es geht um Wirbelsäulen- und Beckenstabilität, Gleichgewicht, Koordination und Kraftübertragung.

Lassen sich die Core-Muskeln mit Planks und Co. trainieren?

Die Antwort: Ja, aber nur indirekt. Sie besitzen leider keine geheimnisvolle Fähigkeit, ausschließlich die „tiefe Muskulatur“ anzusteuern. Aber Übungen wie Planks, Side Planks, Bird Dog oder Dead Bug trainieren auch die tiefen Bauchmuskeln. Denn um diese Übungen durchführen zu können, ist eine gute Bewegungskontrolle nötig. Und dazu tragen Transversus abdominis, die inneren schrägen Bauchmuskeln und Multifidus bei. Sehr effektiv sind auch Rollout-Varianten.

Ebenfalls hilfreich sind Carries. Beim Farmer’s Carry oder beim einarmigen Suitcase Carry muss der Rumpf das zusätzliche Gewicht während des Gehens kontrollieren. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte dabei eine deutliche Aktivierung von Bauch- und Rückenmuskeln einschließlich Multifidus.

Mit dem Roll-Out die tiefe Core-Muskulatur trainieren

Core-Training bedeutet häufig: Bewegung verhindern

Sowohl im Alltag als auch bei Sport und Fitness ist die Hauptaufgabe des Core nicht Bewegungen zu erzeugen. Viel öfter muss er dafür sorgen, dass die Wirbelsäule und das Becken stabil bleiben, während Arme und Beine Kraft erzeugen.

Schauen wir und das mal etwas genauer an:

  • Anti-Extension: Hier verhindert der Rumpf, dass sich die Lendenwirbelsäule zu stark nach hinten durchbiegt. Ein klassisches Beispiel ist der Plank. Auch beim Ab-Wheel-Rollout wird der Hebel mit zunehmender Streckung länger und der Körper möchte ins Hohlkreuz ausweichen. Die Bauchmuskulatur muss dagegenarbeiten und die Position von Becken und Wirbelsäule kontrollieren. Anti-Extension-Übungen trainieren also vor allem die Fähigkeit, eine stabile Rumpfposition gegen nach hinten wirkende Kräfte zu halten.
  • Anti-Lateralflexion: Hier geht es darum, ein seitliches Abknicken des Oberkörpers zu verhindern. Beim Suitcase Carry trägst du ein Gewicht nur auf einer Körperseite. Dadurch möchte der Oberkörper zur belasteten Seite kippen. Die seitliche Rumpfmuskulatur muss gegenhalten, damit Wirbelsäule und Becken möglichst stabil bleiben. Diese Fähigkeit ist unter anderem beim Tragen, Gehen und bei einseitigen Belastungen wichtig.
  • Anti-Rotation: Bei diesen Übungen versucht eine äußere Kraft, den Oberkörper zu verdrehen. Der Core muss diese Rotation abbremsen oder ganz verhindern. Beim Pallof Press zieht beispielsweise ein Kabelzug den Körper seitlich in eine Drehung, während du den Oberkörper bewusst gerade hältst. Ähnlich funktioniert die Renegade Row: Durch das einarmige Rudern entstehen Rotationskräfte, denen der Rumpf entgegenwirken muss. Das ist besonders relevant für Sportarten, bei denen Arme und Beine asymmetrisch arbeiten, etwa beim Laufen, Werfen oder Schlagen.
  • Dynamische Stabilisation: Bei diesen Übungen bleibt der Rumpf nicht einfach nur starr, sondern muss seine Stabilität während einer Bewegung ständig neu anpassen. Beim Bird Dog bewegen sich beispielsweise ein Arm und das gegenüberliegende Bein, während Becken und Wirbelsäule möglichst ruhig bleiben. Beim Dead Bug geschieht etwas Ähnliches in Rückenlage. Loaded Carries gehen noch einen Schritt weiter: Der Körper bewegt sich im Raum, während der Core fortlaufend auf Schritte, Gewichtsverlagerungen und wechselnde Kräfte reagieren muss.

Wie trainiere ich die tiefe Core-Muskulatur?

Die gute Nachricht: Zwei- bis dreimal die Woche 10 bis 15 Minuten, eingebaut in das normale Krafttraining, reichen meistens aus.

Eine einfache Einheit könnte beispielsweise aus einem Bird Dog, einer Side-Plank-Variante, einem Pallof Press und einem Farmer’s oder Suitcase Carry bestehen. Fortgeschrittene können Rollouts ergänzen. Entscheidend ist weniger die exakte Auswahl als eine saubere Ausführung und eine sinnvolle Steigerung von Widerstand, Hebellänge, Wiederholungen oder Haltezeit.

Und wer regelmäßig Kniebeugen, Kreuzheben, Rudern, Klimmzüge, Ausfallschritte oder Übungen über Kopf absolviert, trainiert seinen Core ohnehin bereits mit. Hier eine Auswahl an tollen Übungen, die du machen kannst:

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