Essen ohne Gluten macht nicht fitter

Essen ohne Gluten macht nicht fitter

Ganze Supermarktregale sind mittlerweile prall gefüllt mit Produkten ohne Gluten. Bäckereien bieten Brote und Backwaren ohne das „böse“ Klebereiweiß an. Spitzensportler verzichten auf Gluten in ihrer Nahrung, weil sie glauben, sich so gesünder zu ernähren, leichter das Gewicht halten zu können und ihre Fitness zu verbessern. Doch dem ist nicht so.

Der schlechte Ruf von Gluten ist nicht gerechtfertigt

Wie es dazu gekommen ist, dass es plötzlich einen so schlechten Ruf hat, lässt sich nicht genau erklären. Fest steht aber: Immer mehr Menschen, darunter überdurchschnittlich viele Sportler, verzichten freiwillig auf das in vielen Getreidearten enthaltene Protein und kaufen nur noch Produkte, die das Klebereiweiß nicht enthalten, also glutenfrei sind. Auf den Verpackungen ist das anhand der durchgestrichenen Ähre gut erkennbar. Diese Vorsichtsmaßnahme ist allerdings nicht nur teurer, sondern in den allermeisten Fällen auch überflüssig: 

Das sind die Fakten zu Gluten:

  • Glutenfrei ernähren müssen sich nur Menschen, die unter Zöliakie leiden. Dabei handelt es sich um eine ernsthafte Erkrankung, unter der aber nur ein Prozent der Bevölkerung leidet.
  • Bislang gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass eine glutenfreie Ernährung einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat.
Glutenfrei ernähren müssen sich nur ganz wenige Menschen (Foto: adpic)

Glutenverzicht nur wenn medizinisch nötig

Das hat vor zwei Jahren auch eine kanadische Studiegezeigt, an der 910 Athleten teilgenommen haben. Darunter 18 Weltmeister und Olympiasieger. Alle dieser 18 Spitzenathleten sowie die Hälfte der anderen Probanden (vor allem Ausdauersportler) litten nicht unter Zöliakie,verzichteten aber trotzdem auf das Klebereiweiß in ihrer Ernährung. Ergebnis der Studie: Eine medizinisch nicht notwendige glutenfreie Ernährung führt zu einer Unterversorgung. Es fehlen vor allem: 

  • Kohlenhydrate.
  • Ballaststoffe.
  • einige B-Vitamine (B1, B2 und B12).
  • Folsäure, Eisen und Magnesium.
  • probiotische Stoffe (die vor allem für Ausdauersportler wichtig sind).

Kein Gluten, dafür aber mehr Fett und Zucker

Ein weiteres Ergebnis der Studie: 84 Prozent verzichteten aufgrund einer Selbstdiagnose auf Gluten. Die Diagnose war nicht medizinisch abgesichert. Sie gaben an, dass sie sich durch den Verzicht auf Gluten einfach besser fühlen. Die Wissenschaftler schoben das auf den nicht zu unterschätzenden Placeboeffekt. Gluten gilt mittlerweile als böse und wenn ich es weglasse, geht es mir besser. Fest steht aber: Wer sich ohne Not glutenfrei ernährt, lebt nicht gesünder riskiert aber Mangelerscheinungen, die sich im Laufe der Zeit negativ auf die sportliche Leistung auswirken können. Auch das mit dem Abnehmen klappt nicht: Glutenfreie Lebensmittel enthalten oft einen deutlich höheren Anteil an Fett und Zucker.

Nur 1 Prozent der Bevölkerung hat Zöliakie

Auf Gluten komplett verzichten müssen allerdings Menschen, die wirklich an Zöliakie erkrankt sind. Bei dem Leiden handelt es sich um eine Entzündung des Dünndarms. Die Oberfläche des Organs verkleinert sich und ist dann nicht mehr in der Lage, ausreichend Nährstoffe aufzunehmen. Bei der Verdauung zersetzt der Dünndarm die Nahrung in ihre Bestandteile und die Nährstoffe gelangen dann über die Schleimhäute ins Blut. Das Immunsystem sieht das Gluten allerdings als Feind an und löst eine Immunreaktion aus. Als Folge kommt es zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Dabei kann es zu klassischen und nicht-klassischen Symptomen:

  • Zu den klassischen Symptomen zählen Durchfälle, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust.
  • Zu den nicht-klassischen Symptomen zählen Blutarmut, Bauchschmerzen, ständige Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen

Ein Arzt kann die Diagnose stellen

Mit einem Bluttest und einer Darmspiegelung lässt sich die Krankheit gut diagnostizieren. Wer wirklich betroffen ist, sollte unbedingt auf Gluten verzichten. Andernfalls verschlimmert sich das Krankheitsbild. Zöliakie kann zu Krebs und sogar zum Tod führen.  Mittlerweile gibt es zudem ein weiteres Krankheitsbild: die „Nicht-Zöliaktie-Gluten-Sensitivität“ kurz NZGS genannt. Allerdings, so erste Erkenntnisse der Wissenschaft, ist es nicht das Gluten in der Ernährung das Probleme bereitet, sondern eher Inhaltsstoffe wie Sorbit, Laktose und Fruktose. Sie verursachen ähnliche Symptome wie bei einer Zölikaie und treten beim Verzehr von glutenfreien Lebensmitteln seltener auf, da sie dort nur in in sehr geringen Menge vorhanden sind. Deshalb macht es Sinn, mal einen Arzt aufzusuchen, um herauszufinden auf welche Lebensmittel man wirklich verzichten sollte.



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