Mit der Schimpansen-Psychologie zum besseren Ausdauersportler

Mit der Schimpansen-Psychologie zum besseren Ausdauersportler

Wenn Du Ausdauersportler bist und vielleicht sogar an Wettkämpfen teilnimmst, kennst Du womöglich dieses Gefühl, wenn es einfach nicht läuft. Du möchtest zwar, aber der Körper spielt nicht mit. Die Gedanken kreisen und Wut steigt auf. In diesen Situationen soll Dir die so genannte Schimpansen-Psychologie helfen – im Training und imWettkampf.

Viele Spitzensportler nutzen die Schimpansen-Psychologie

Wenn Ausdauersportler ihre Coolness verlieren, ist das nicht immer gleich zu sehen. Sie können nicht wie ein Tennisspieler den Schläger zertrümmern oder wie ein Fußballer den Schiedsrichter anschreien. Stattdessen übernehmen negative Gefühle das Kommando. Man wird wütend und manchmal gibt man sogar auf. Die verzweifelten Gefühle sabotieren uns beim Training und beim Wettkampf. Man fühlt sich als Geisel. Fast so, als hätte etwas Irrationales den Körper übernommen. Der britische Psychiater Steve Peters und mehrfache Seniorenweltmeister in der Leichtathletik bezeichnet diesen Zustand als Schimpansen-Paradox und hat als Gegenmaßnahme die Schimpansen-Psychologie entwickelt. Zahlreiche Athleten, darunter das sehr erfolgreiche Britische Radsport Team, haben davon schon profitiert.

Das Schimpansegehirn arbeitet meist irrational
Die Psychologie unterteilt das Gehirn in drei Bereiche (Foto: adpic)

Die drei Schlüsselbereiche des Gehirns beim Sport

Laut Peters ist der Schimpanse ein wichtiger Teil unseres Gehirns. Er ist es, der uns bei einem Rennen zurückhält, weil wir beispielsweise ein höheres Tempo oder einen frühen Spurt als Bedrohung ansehen. Aber von vorne. Peters unterteilt unser Gehirn in drei Schlüsselbereiche:

  1. Das menschliche Gehirn
  2. Das Computergehirn
  3. Das Schimpansengehirn

Die Theorie des Psychiaters: Wenn wir verstehen, wie jeder Teil des Gehirns funktioniert und mit dem jeweiligen Teil besser zusammenarbeiten, können wir mehr aus unserem Körper herausholen.

Das Schimpansengehirn und die Schimpansen-Psychologie

Fangen wir mit dem Schimpansengehirn an. Es sitzt im limbischen System, folgt dem Instinkt, ist hyperaktiv, hat keine Geduld, zieht voreilige Schlüsse, kann paranoid und irrational sein. Es trifft schnelle Entscheidungen, die nicht auf Logik oder Fakten basieren, sondern auf Gedanken und Gefühlen. Das kann in echter Gefahr durchaus hilfreich sein. Man ergreift schnellstens die Flucht. Ebenso wie ein Schimpanse im Dschungel. Doch als Ausdauersportler befinden wir uns nicht in lebensbedrohlichen Situationen. Hier ist es das Ego, das uns bedroht. Es übernimmt das Kommando. Folge: Wir treffen falsche Entscheidungen und starten den Selbstzerstörungsmodus. All das verursacht Chaos. Fazit: Wenn Du ein besserer Athlet sein willst, musst Du Deinen Schimpansen zähmen und die Schimpansen-Psychologie anwenden.

Der rationale Teil des Gehirns

Das „menschliche Gehirn“ sitzt im präfrontalen Kortex. Es ist der rationale, analytische Teil des Gehirns, der Informationen überlegt verarbeitet. Es sucht nach Fakten und Kontext, damit es Entscheidungen auf der Grundlage der Logik treffen kann. Dabei verfolgt es das Ziel gute Beziehungen aufzubauen und langfristige Pläne zu machen, denn das menschliche Gehirn versteht die Folgen. „Menschengehirn“ und „Schimpansengehirn“ arbeiten zusammen und kämpfen oft um die Vorherrschaft. Das Problem: Der Schimpansengehirn ist fünfmal schneller als das „menschliche Gehirn“ und gewinnt deshalb oft.

Am schnellsten ist das Computergehirn

Das Computergehirn sitzt in der Parietalregion des Gehirns. Es dient als Speicherbibliothek für Erinnerungen, Werte, automatische Verhaltensweisen, Erfahrungen und Gewohnheiten, damit wir sie für zukünftige Referenzen nutzen können. Weil es vorprogrammierte Gedanken und Verhaltensweisen verwendet, arbeitet es wie eine Art Autopilot. Das Computergehirn ist noch schneller als das Schimpansengehirn.

Effektiv gegen Schwächephasen mit der Schimpansenpsychologie
Die Schimpansen-Psychologie hilft Schwächephasen zu überwinden (Foto: adpic)

Bei der Schimpansen-Psychologie geht es um Kontrolle

Tag für Tag muss unser Gehirn etwa 30 000 Entscheidungen treffen. Die meisten laufen aufgrund unserer Erfahrungen automatisch ab. Wenn uns jedoch etwas bedroht, sei es körperlich oder geistig, arbeitet vor allem das Schimpansen-Gehirn. Beim Sport sind wir zwar nicht physisch bedroht. Aber ein hartes Training und ein Wettkampf kann eine Bedrohung für unser Ego sein. Die einen fürchten eine Niederlage oder das sie ihr Ziel nicht erreichen. Andere haben Angst wegen einer schlechten Leistung kritisiert zu werden. Und je mehr wir uns mit dem Sport identifizieren, desto mehr ist unser Ego gefährdet. Doch laut Steve Peters gibt es Möglichkeiten, die Kontrolle zu behalten:

Gib Deinem Schimpansen einen NamenG

Wenn Du die Kontrolle übernehmen willst, musst Du Dir selbst bewusst werden. Dir muss bewusst sein, dass Du die Kontrolle verlierst und das Schimpansengehirn die Kontrolle übernommen hat. Dann gilt es das Verhalten zu hinterfragen und mit dem Schimpansen in Kontakt zu treten. Viele Athleten, die mit der Schimpansenpsychologie arbeiten, geben dem dem Tier deshalb einen Namen. Das erleichtert die Kommunikation.

Du musst Dein Gehirn wie einen Computer bereinigen

Wenn Du Dir Deiner eigenen Ziele absolut bewusst bist und diese im Hinterkopf behältst, kannst Du dem Schimpansen leichter widersprechen und ihm Einhalt gebieten. Das ist im Training oder Wettkampf wichtig, wenn Du mal eine schlechte Phase hast.

Kontrolle über den Schimpansen erlangen

Der Schimpanse sucht nach Sicherheit. Da Du aber sowohl im Training als auch im Wettkampf an Deine Grenzen und auch darüber hinaus gehen willst, versucht er die Kontrolle zu übernehmen. Jetzt musst Du den Schimpansen daran erinnern, dass Du schon ein paar Mal in dieser Situation warst und das alles gut geklappt hat. Am besten mit positiven Affirmationen: „Alles ist gut, wir können das, wir sind nicht Gefahr, wir sind gut vorbereitet.“ In seinen Untersuchungen hat der Psychiater herausgefunden, dass es wichtig ist, diese positiven Affirmationen so gut abzuspeichern, dass sie im Autopilot – Stichwort Computergehirn –  ablaufen. Die Studien bei Spitzensportlern haben gezeigt: Je häufiger Du das wiederholst, und je mehr positive Erfahrungen Du hinzufügst, desto leistungsstärker wirst Du. Der Autopilot übertönt den Schimpansen durch menschliche Logik.



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