Schulterprobleme bei Sportlern müssen nicht sein

Schulterprobleme bei Sportlern müssen nicht sein

Es gibt so ein paar Bereiche des Körpers, die nicht besonders gut gelungen sind. Die Schultern gehören sicherlich dazu. Schultern sind zwar die mit Abstand flexibelsten Gelenke, aber eben leider auch ziemlich anfällig. Vor allem bei Sportlern sind Schulterprobleme weit verbreitet. Doch mit der richtigen Strategie lassen sich Probleme oder beheben. Hier alles was Du zum Thema Schulterprobleme wissen musst.

Die Schulter ist beweglich, aber empfindlich

Kein anderes Gelenk ist so beweglich. Die Schulter kann unsere Arme rotieren und sie in alle vier Himmelsrichtungen bewegen lassen. Doch genau dieser große Bewegungsumfang macht sie auch so instabil. Es besteht ein Missverhältnis zwischen Gelenkkopf und Gelenkpfanne. Dadurch ist eine knöcherne Führung bei Bewegungen nicht immer gewährleistet. Außerdem ist die Kapsel recht schlaff. Deshalb sind Schulterprobleme oft die Folge von wiederholten Überkopfaktivitäten. Im Haushalt sind das beispielsweise Gardinen aufhängen, Fenster putzen oder Malerarbeiten.

So bleibt die Schulter gesund und beweglich
Schulterprobleme plagen Millionen von Menschen (Foto: adpic)

Schulterprobleme bei Sportlern

Natürlich gibt es zudem viele Sportarten, die Schulterprobleme provozieren. Das liegt zum einen am Bewegungsablauf, zum anderen am dafür notwendigen Training. Bei folgenden Sportarten sind Schulterprobleme besonders weit verbreitet:

  • Handball
  • Tennis
  • Badminton
  • Squash
  • American Football
  • Bodybuilding
  • Klettern
  • Ringen
  • Wurfsportarten in der Leichtathletik

Die Schulter mag nicht alle Kraftübungen

Probleme können zudem Fitnessübungen machen, die eigentlich zur Stärkung der Schulter beitragen sollen. Aber das in der Regel nur, wenn man es mit dem Training übertreibt oder die Übungen technisch nicht sauber durchführt. Hier ein Überblick:

  • Tiefe Dips
  • Training an Butterflygeräten

Noch einmal der Hinweis: Du sollst jetzt nicht auf diese Übungen verzichten, um Deine Schulter zu schonen. Ein gesundes Gelenk kann und sollte das alles gut aushalten können und müssen.

Muskuläre Dysbalancen vermeiden und ausgleichen

Eine starke Muskulatur schützt definitiv am besten vor Problemen mit dem anfälligen Schultergelenk. Ganz besonders wichtig ist ein optimales Gleichgewicht zwischen Brust- und Rückenmuskulatur. Bei einem Ungleichgewicht kommt es sonst schnell zu muskulären Dysbalancen. Deshalb sollte auf jede Übung für  die Oberkörpervorderseite auch eine Übung für den oberen Rücken folgen. Außerdem spielt die Körperhaltung eine wichtige Rolle. Du kannst das selbst immer mal wieder überprüfen, indem du dir folgende Fragen stellt:

  • Stehe ich mit nach vorn geneigten oder nach oben gezogenen Schultern da?
  • Ziehe ich meine Schulter zurück nach unten in Richtung Taille?
  • Schiebe ich die Schulterblätter so eng zusammen, dass ich einen Bleistift darin einklemmen könnte?
  • Wenn Du nur eine dieser Fragen mit Ja beantwortet hast, ist es ratsam an Deiner Körperhaltung zu arbeiten. Wenn möglich, dann lasse Dich von jemanden beraten, der sich damit auskennt. Das kann ein Physiotherapeut, Sportwissenschaftler oder Sportmediziner sein.

Mit Wall-Slides die Beweglichkeit austesten

Schulterprobleme haben zudem häufig mit dem weit verbreiteten Rundrücken zu tun. Eine Wall Slides genannte Übungen kann Dir helfen, diesen zu beheben und vorzubeugen. Die Übung trainiert außerdem den oft vernachlässigten Trapezmuskel, der für eine gute Körperhaltung wichtig ist. So funktioniert die Übung:

  • Stell  dich mit dem Rücken an eine Wand.
  • Die Ellbogen befinden sich in einem 90-Grad-Winkel und lehnen ebenso wie der Handrücken an der Wand. Es sieht aus wie „Hände hoch“.
  • Während die Unterarme leicht gebeugt gegen die Wand drücken, schiebst du die Arme nach oben und unten.
  • Ellbogen, Unterarme, Handrücken, Schulterblätter und der gesamten Rücken haben stets Kontakt zur Wand.
  • Hier ein Video dazu:
Schulterprobleme? So funktionieren Wall-Slides
  • Sehr gut geeignet zur Kräftigung der Schulter sind auch Übungen auf einer instabilen Unterlage, etwa Liegestütze auf einem Pezziball oder Unterarmstütze auf einer Hartschaumrolle. Wichtig dabei: eine korrekte Bewegungsausführung und sich niemals mehr zumuten als es das derzeitige Leistungsvermögen zulässt.
Liegestütze auf dem Pezziball gegen Schulterprobleme (Foto: adpic)

Das Impingement-Syndrom

Das wohl am weitesten verbreitete gesundheitliche Problem mit der Schulter ist das Impingement-Syndrom. Deshalb will ich an dieser Stelle mal etwas genauer darauf eingehen:

  • Ursache: Zwischen dem knöchernen Schulterdach und dem Oberarmkopf befindet sich ein kleiner Raum für die Muskulatur und den Schleimbeutel. Diesen Spalt bezeichnet man als Subacromialraum. Durch häufige Überkopfarbeiten oder entsprechende Trainingsbelastungen kann es in diesem Bereich zu Verletzungen oder Fehlbelastungen kommen. Das kann dann zu Schwellungen, Entzündungen und Schädigungen des Muskels führen. Als Folge vergrößert sich der Schleimbeutel. Es bilden sich zudem Knochensporne und in ausgeprägten Fällen kommt es zu Kalkeinlagerungen.
  • Symptome: Beim Impingement-Syndrom kommt es zu bewegungsabhängigen Schmerzen. Sie strahlen von der Vorderseite der Schulter des Arms aus. Typisch ist, dass die ausstrahlenden Schmerzen nur den Oberarm betreffen, nicht aber den Unterarm oder die Finger.
  • Diagnose: Eine Ultraschalluntersuchung zeigt den eingequetschten Schleimbeutel und die Kalkeinlagerungen. Weitere bildgebende Verfahren können den Schaden exakt darstellen.
  • Therapie: Je früher man mit diesem schmerzhaften Problem zum Arzt geht, desto besser. Denn in der Anfangsphase reichen in der Regel konservative Maßnahmen aus. Am wichtigsten ist es, die Muskulatur mit Zugübungen aufzubauen. Das geht mit dem Fitnessband oder an Zugmaschinen. Dadurch verbessern sich die Druck- und Belastungsverhältnisse in der Schulter und es ist einfach mehr Platz da. Manchmal verschreiben Ärzte schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente, um die Schwellungen abzubauen.
  • Operation:  Wenn die Schmerzen länger als drei bis sechs Monate andauern, und einen auch in Ruhe plagen, raten viele Ärzte zu einer Operation. Das ist heute meist minimal-invasiver Eingriff mit nur zwei winzigen Schnitten von etwa vier Millimetern. Chirurgen bezeichnen diese Operation als subacromiale Dekompression. Sie dauert nur 30 Minuten. Mit speziellen arthroskopischen Geräten, die auch über eine Kamera verfügen, erweitern sie den Raum zwischen Schulterdach und Oberarmkopf, indem sie überschüssigen Knochen und Kalk abschleifen. Die Reha beginnt schon am Tag danach. Es dauert acht bis 12 Wochen bis zur vollständigen Regeneration.
  • Extratipp: Schulteroperation stehen seit einiger Zeit ziemlich in der Kritik. Ärzte greifen vermeintlich zu oft und zu früh zum Skalpell. Mein Tipp: Sollte Euch ein Arzt zu einer OP raten, holt Euch bitte eine zweite Meinung ein. Die meisten gesetzlichen Kassen unterstützen diese Maßnahme und übernehmen dafür auch die Kosten. Wichtig bei der Zweitmeinung: Geht am besten in einer interdisziplinäres Behandlungszentrum, in dem nicht ausschließlich Chirugen tätig sind. Ideal ist es, wenn sich auch ein Arzt für physikalische Therapie die Schulter anschaut.

Hinweis: Dieser Artikel ist gründlich recherchiert, kann aber natürlich keinen Arztbesuch ersetzen.



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